Termine für Donnerstag, den 26. Februar 2009Live: Philipp Boa & The Voodooclub @ Roxy ( Saarbrücken / Brebach )
„Eigentlich ist absolut alles in der westlichen Popkultur schon erzählt“, sagt Phillip Boa. Und trotzdem überrascht der exzentrische Forty-Something wieder einmal mit noch Unerzähltem: Auf seinem neuen Album „Diamonds Fall“, einem weiteren Werk in der wechselhaften Karriere des deutschen Vorzeige-Indierockers. „Diamonds Fall“ führt heute das fort, was der Voodoo Club einst mit diversen Singles Of The Week im britischen NME begonnen und schließlich weltweit mit seiner Arbeit auf dem Vorgänger „Faking To Blend In“ bis zur Quasi-Perfektion ausgebaut hatte: Großer, bildgewaltiger und lautmalerischer Breitband-Pop; immer ein wenig verschroben, mit liebenswertem Hang zur Marotte. Und doch ganz anders, irgendwie. Wieder einmal. „Diamonds Fall“ reflektiert einen von Grunde auf gewandelten Phillip Boa, dessen Schritte hin zum seriösen Songwriter niemals auch nur annähernd so beeindruckend waren. Schon seit der Bandgründung irgendwann im Sommer 1985 hat man in regelmäßigen Abständen immer wieder seine Ideale in Frage gestellt, ist mit sich und dem Rest der Welt hart ins Gericht gegangen und hat in letzter Konsequenz sogar die Flagge verbrannt, unter der man selbst segelte. Phillip Boa und Pia Lund waren schon von je her Querulanten aus Freiheitsdrang und haben für die Aufnahmen von „Diamonds Fall“ erneut ein kleines, dafür umso feineres Expertenteam des guten Geschmacks zusammengestellt. Generationen-Clash mit Gespür für das Außergewöhnliche, im besten Sinne. „Diamonds Fall“ beschreibt die kleinen und auch die großen Tragödien auf der Suche nach dem, was irgendwann übrig bleibt vom Traum ewiger Jugend. Post Romantic Power Pop könnte man die überbordenden Kompositionen provokant nennen, selbst wenn einer wie Phillip Boa niemals zugeben würde, dass seine Musik genau das auch repräsentiert. Stücke wie „Black Light“, das auf Deutsch gesungene „The Ballad Of Pia And Toett“ oder der romantische Freundschaftssong „Valerian“ (trotz seiner Assoziationen mit einem bekannten Beruhigungsmittel ein Paradebeispiel für die völlig neu definierte Symbiose aus Text und Ton) beanspruchen einfach Platz und lassen ihn gleichzeitig auch dem Hörer in ihrer cinematischen Film Noir-Opulenz. Phillip Boa erzählt Geschichten. Mal dramatisch-expressiv wie in „Lord, Have Mercy With The 1-Eyed“, dem vielleicht perfekten Popsong; der Anthony Burgess inspirierten Kleinwagenfluchtphantasie „Fiat Topolino“ oder im fast rührenden "Jane Wyman": „Ich fand ein altes Buch von Keats in einer Second Hand-Bibliothek; in diesem Buch lagen noch eine Menge Notizen und Hinweise, Kaugummikarten, Fotos - eines von Jane Wyman - über eine äußerst liebenswerte, romantisch-schwer verliebte weibliche Person aus den 50er Jahren. Diese Sache faszinierte mich so sehr, dass ich mit Nachforschungen über sie begann...“ Was ihn bei seinen nur teilweise autobiographischen Rollenspielen antreibt, das weiß der Avantgarde-Rock-Kosmopolit selbst nicht so recht. Vielleicht „die Sehnsucht danach, wie die Figuren in meinen Texten zu sein. Schwer zu beurteilen!“ Hört uns seht selbst am 26.02.09 im Roxy, Brebacher Landstr. Einlass ist 19 Uhr, beginn: 20 Uhr. Tickets an allen bekannten VVK-Stellen und unter: www.saarevent.com (© gp)
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